Montag, 9. Oktober 2006
Wer war denn nun auf der falschen Limesseite?
Mein letzter Mittelstufen-Lateinlehrer (seines Zeichens Ex-Diktatores meiner wundervollen Schule) weigerte sich damals Caesars "De Bello Gallico" mit uns zu lesen. Er war militanter Kriegsgegner und befüllte lieber die Schüler mit ratio wie ein Bäcker Kreppel mit Marmelade.
Wir haben ihm einen Gefallen getan und die Lektüre nicht vehement eingefordert (wir sind ja auch nicht ganz blöd und arbeitswillig). Dennoch sind uns einige Faktoren selbstverständlich nicht entgangen.
Da war er also, dieser lässige Typ, den wir heute Cäsar mit ä nennen. Ä wie in lässig eben.
Und diesem Typ, diesem lässigen Typ, dem war im Jahre 58 vor Christus mächtig langweilig.
Während sich jeder normale Bürger ein produktives Hobby gesucht hätte (eine Weinplantage gründen, ein brechend langes Buch über ratio schreiben, nach Pompeii in Urlaub fahren..), musste besagter Cäsar natürlich aus der Reihe tanzen. Unglücklicherweise jedoch nicht in einem gutbürgerlichen altrömischen Tanzkurs sondern auf dem weltpolitischen Schlachtfeld der damals bekannten, antiken Welt.
Er beschloss seine Freunde im Norden zu besuchen und sie zu zivi....romanisieren. Der Cäsar backte nämlich äußerst ungern kleine Brötchen.
Er verpflichtet also jede Menge Bürger der römischen Reiches, denen eigentlich garnicht so langweilig war, und ging mit ihnen auf einen Spaziergang in den kalten, bebaumten Norden.
Dort schlug er sich ein bisschen mit lokalen Gegnern seiner großen politischen Endziele, baute ein paar kleinere und größere zivilisatorische Meisterwerke und erreichte irgendwann den guten alten Vater Rhein.
Nun sei gesagt...die Ureinwohner der teutonischen Breiten waren natürlich ein wenig langsam von Begriff und verstanden selbstredend nicht auf Anhieb, was der gute Herr mit dem leicht transvestitisch anmutenden, in Wahrheit aber megamännlichen, Federbusch auf dem Kopf da von ihnen wollte. Diejenigen, südlich des Rheins, die vor lauter Verblüffung einfach überrannt worden waren, fanden sich schnell mit ihrer Situation ab und beschränkten sich darauf in den neuen, hübschen Badehäusern ihre Füße einzuweichen und ab und zu dem römischen Besatzer in den Rücken zu fallen.
Ihre Artverwandten nördlich des Rheines erwiesen sich als sturer und irgendwann entschied man sich für Trick 17. Man baute eine Mauer.
Wir entnehmen De Bello Gallico 8,1
"Unterdessen legt er mit der Legion, die er bei sich hatte, und mit den Soldaten, die aus der Provinz zusammengekommen waren, vom Genfer See, der in die Rhone fließt bis zum Juragebirge [...] eine Mauer von 19000 Doppelschritt Länge und 16 Fuß Höhe an und einen Graben davor."
Dieser Trick 17 würde übrigens in die Geschichte eingehen als "bester Notfalltrick für ganz besonders Verzweifelte". Dieser Trick sticht mit seiner Brillianz sogar das trojanische Pferd aus.
(Darum hat man in Berlin 1961, in Kalifornien seit 1990 ungerade und in Israel seit 2003 auch nicht angefangen Pferdchen zu bauen und niemand schrieb über "Another brick in the horse")
So sah es nun also im alten Gallien aus. Alle waren zufrieden, wenn man mal von denen im Süden, denen im Norden und unserem lässigen Cäsar und seinen frierenden Lederröckchenträgern absah.
Beide Parteien fanden, dass die jeweils anderen Partei definitiv nichts auf der anderen Rheinseite verloren hatte. Man invasierte in unregelmäßigen Abständen das andere Stück Gallien, brannte ein paar Brücken nieder und war auf Nordseite regelrecht verzückt, als die heißen Südländer irgendwann überhaupt keine Lust mehr auf Eisbeine hatten.
Gewonnen haben sie trotzdem, auch wenn Buch 8 (übrigens nicht mehr von Cäsar) mitten im Satz abbricht.
Der Rest ist Geschichte...wie üblich.
Und wer war nun auf der falschen Limesseite?
Ist wohl Interpretationssache. Man weiß allerdings, wer 51 vor Christus fließendes Wasser hatte und wer nicht.
Erste historische Exkursion der Superlative Ende.
Post Publicorum:
Soeben hielt man mir entsetzlich empört vor, auch die Gallier hätten eine Kultur besessen. Diese wäre sogar noch weitaus beeindruckender als die römische gewesen. Ich möchte dies nicht verneinen.
Was die römischen Besatzer allein dem ausgeprägten gallischen (religiösen) Glauben angetan haben, ist überaus indiskutabel.
Man verwies mich auf die BBC Reportage "Die Barbaren". Nun halte ich die BBC nur in einem gewissen Rahmen für eine gute historische Referenz.
Fest steht, die Gallier hatten keine geordneten Großstädte mit gigantischen Wasser- und Verwaltungsanlagen.
Punktum. Gallische Kultur hin oder hinüber.
Wir haben ihm einen Gefallen getan und die Lektüre nicht vehement eingefordert (wir sind ja auch nicht ganz blöd und arbeitswillig). Dennoch sind uns einige Faktoren selbstverständlich nicht entgangen.
Da war er also, dieser lässige Typ, den wir heute Cäsar mit ä nennen. Ä wie in lässig eben.
Und diesem Typ, diesem lässigen Typ, dem war im Jahre 58 vor Christus mächtig langweilig.
Während sich jeder normale Bürger ein produktives Hobby gesucht hätte (eine Weinplantage gründen, ein brechend langes Buch über ratio schreiben, nach Pompeii in Urlaub fahren..), musste besagter Cäsar natürlich aus der Reihe tanzen. Unglücklicherweise jedoch nicht in einem gutbürgerlichen altrömischen Tanzkurs sondern auf dem weltpolitischen Schlachtfeld der damals bekannten, antiken Welt.
Er beschloss seine Freunde im Norden zu besuchen und sie zu zivi....romanisieren. Der Cäsar backte nämlich äußerst ungern kleine Brötchen.
Er verpflichtet also jede Menge Bürger der römischen Reiches, denen eigentlich garnicht so langweilig war, und ging mit ihnen auf einen Spaziergang in den kalten, bebaumten Norden.
Dort schlug er sich ein bisschen mit lokalen Gegnern seiner großen politischen Endziele, baute ein paar kleinere und größere zivilisatorische Meisterwerke und erreichte irgendwann den guten alten Vater Rhein.
Nun sei gesagt...die Ureinwohner der teutonischen Breiten waren natürlich ein wenig langsam von Begriff und verstanden selbstredend nicht auf Anhieb, was der gute Herr mit dem leicht transvestitisch anmutenden, in Wahrheit aber megamännlichen, Federbusch auf dem Kopf da von ihnen wollte. Diejenigen, südlich des Rheins, die vor lauter Verblüffung einfach überrannt worden waren, fanden sich schnell mit ihrer Situation ab und beschränkten sich darauf in den neuen, hübschen Badehäusern ihre Füße einzuweichen und ab und zu dem römischen Besatzer in den Rücken zu fallen.
Ihre Artverwandten nördlich des Rheines erwiesen sich als sturer und irgendwann entschied man sich für Trick 17. Man baute eine Mauer.
Wir entnehmen De Bello Gallico 8,1
"Unterdessen legt er mit der Legion, die er bei sich hatte, und mit den Soldaten, die aus der Provinz zusammengekommen waren, vom Genfer See, der in die Rhone fließt bis zum Juragebirge [...] eine Mauer von 19000 Doppelschritt Länge und 16 Fuß Höhe an und einen Graben davor."
Dieser Trick 17 würde übrigens in die Geschichte eingehen als "bester Notfalltrick für ganz besonders Verzweifelte". Dieser Trick sticht mit seiner Brillianz sogar das trojanische Pferd aus.
(Darum hat man in Berlin 1961, in Kalifornien seit 1990 ungerade und in Israel seit 2003 auch nicht angefangen Pferdchen zu bauen und niemand schrieb über "Another brick in the horse")
So sah es nun also im alten Gallien aus. Alle waren zufrieden, wenn man mal von denen im Süden, denen im Norden und unserem lässigen Cäsar und seinen frierenden Lederröckchenträgern absah.
Beide Parteien fanden, dass die jeweils anderen Partei definitiv nichts auf der anderen Rheinseite verloren hatte. Man invasierte in unregelmäßigen Abständen das andere Stück Gallien, brannte ein paar Brücken nieder und war auf Nordseite regelrecht verzückt, als die heißen Südländer irgendwann überhaupt keine Lust mehr auf Eisbeine hatten.
Gewonnen haben sie trotzdem, auch wenn Buch 8 (übrigens nicht mehr von Cäsar) mitten im Satz abbricht.
Der Rest ist Geschichte...wie üblich.
Und wer war nun auf der falschen Limesseite?
Ist wohl Interpretationssache. Man weiß allerdings, wer 51 vor Christus fließendes Wasser hatte und wer nicht.
Erste historische Exkursion der Superlative Ende.
Post Publicorum:
Soeben hielt man mir entsetzlich empört vor, auch die Gallier hätten eine Kultur besessen. Diese wäre sogar noch weitaus beeindruckender als die römische gewesen. Ich möchte dies nicht verneinen.
Was die römischen Besatzer allein dem ausgeprägten gallischen (religiösen) Glauben angetan haben, ist überaus indiskutabel.
Man verwies mich auf die BBC Reportage "Die Barbaren". Nun halte ich die BBC nur in einem gewissen Rahmen für eine gute historische Referenz.
Fest steht, die Gallier hatten keine geordneten Großstädte mit gigantischen Wasser- und Verwaltungsanlagen.
Punktum. Gallische Kultur hin oder hinüber.
mordaz, 22:32h
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